1.Mai

DGB-Aufruf zum 1. Mai 1950
Auf dgb.de gibt es die
Geschichte des 1. Mai: Vom Kampftag zum Feiertag mit einer Fotostrecke der Plakate seit 1950.Das älteste ist das oben. Quelle: „Deutscher Gewerkschaftsbund“.
Der Ruf von damals kann noch ergänzt werden

  • Arbeitgeber erkennt, die Forderungen nutzen allen.
  • Demokraten verinnerlicht den Ruf.
  • Christliche (z.B. CDU,CSU,CGZP) verknüpft das mal mit Nächstenliebe.

Vollbeschäftigung gehört bei der Liste eigentlich ganz nach oben, der Völkerfrieden ist dann eine mögliche Folge.

Wird Vollbeschäftigung als Dreh- und Angelpunkt zur Grundvoraussetzung, erfüllen sich alle anderen Forderungen wie der Völkerfrieden fast von alleine. Zur Zeit glauben nur wenige an die Vollbeschäftigung. Wie wär’s, nur mal den Ausgangspunkt der Denkweise ändern?

Magie

30.4.12, Seite 16 Vollbeschäftigung: ein zeit- und gesellschaftskontingenter Begriff, Frage 3 “Vollbeschäftigung: ein „einfach“ zu verfolgendes Ziel?“
Wieder keine Frage, sondern die dritte Feststellung, über die gesprochen werden muss: Zum anderen liegt Vollbeschäftigung im Spannungsfeld makroökonomischer Zielkonflikte. Das Erreichen eines volkswirtschaftlichen Gleichgewichts ist das Ziel wirtschaftspolitischer Handlung. Die Herausforderung hierbei ist, die als „magisches Viereck“ zusammengefassten Zielsetzungen gleichzeitig zu erreichen: Vollbeschäftigung, Preisniveaustabilität, Wirtschaftswachstum sowie ein außenwirtschaftliches Gleichgewicht. Innerhalb des Vierecks bestehen aber Zielkonflikte, weshalb das gleichzeitige Erreichen der einzelnen Zielsetzungen sowohl theoretisch als auch empirisch nicht möglich ist – daher auch magisch.

Das ist nicht nur Uni-Grundkurs, das ist auch gängige Sozialkunde. Entlarvend ist der Begriff Magie. Der Magier lenkt ab und täuscht. Und wir alle sind so verzaubert, dass wir die vier Ziele des magischen Vierecks in das Stabilitäts- und Wachstumsgesetz gegossen haben. Wachstum ist schon entzaubert, das hat Grenzen. Preisstabilität ist der Fetisch der EU und außenwirtschaftliches Gleichgewicht stellt sich von alleine ein, wenn es beim Geben und Nehmen gerecht zu geht. Aber, das alles ist Wirtschaftspolitik. Hat diese das Recht, jede andere Politik zu dominieren? Es geht doch um Leben und Mensch. (und das Recht auf Arbeit, um Menschenpolitik.)

Gepflegte Unterbeschäftigung

28.4.12, Seite 16 Vollbeschäftigung: ein zeit- und gesellschaftskontingenter Begriff, Frage 3 “Vollbeschäftigung: ein „einfach“ zu verfolgendes Ziel?“
Auch keine Frage, sondern die zweite Feststellung in der Einleitung des Abschnitts, die es lohnt, hervor gehoben zu werden: Je höher die Arbeitslosigkeit, desto geringer ist die Verhandlungsmacht der Arbeitnehmerverbände und damit die Entlohnung. Liegt jedoch Vollbeschäftigung vor, können aufgrund der stärkeren Verhandlungsposition der Arbeitnehmer höhere Löhne ausgehandelt werden, womit die Kosten der Produktion steigen würden. Weiterhin würde der Lohn als Instrument zur Erhöhung der Produktivität innerhalb der Belegschaft im Falle einer Vollbeschäftigung nicht greifen: Die Unternehmen haben der Effizienzlohntheorie zufolge die Möglichkeit, durch das Bezahlen von Löhnen oberhalb des Gleichgewichtslohns zum einen die Produktivität der Arbeitnehmer zu erhöhen und zum andern deren Abwanderung in andere Unternehmen zu verhindern. Beide Ziele werden eher erreicht, wenn Unterbeschäftigung herrscht.

Stimmt. Deshalb wurde ja die Vollbeschäftigung mit 15% Lohnsteigerung in den 60er Jahren absichtlich per Gastarbeiterimport beendet. Deshalb wird auch die zur Zeit gehegte und gepflegte Unterbeschäftigung als sogenannte Vollbeschäftigung verkauft. Bei der oben zitierten Realität führt die Überlegung, ob das so sein muss, zu Ideen, wie Produktivität und Lohn entkoppelt werden könnten. Schon heute gibt es eine Mehrheit, die die Sicherheit des Arbeitsplatzes einer hohen Bezahlung vorzieht. Viele denken, Geld ist nicht alles. Und eine sinnstiftende Tätigkeit bereichert das Leben.

Öffentliche Haushalte erstarken

27.4.12, Seite 16 Vollbeschäftigung: ein zeit- und gesellschaftskontingenter Begriff, Frage 3 “Vollbeschäftigung: ein „einfach“ zu verfolgendes Ziel?“

Keine Frage sondern die Einleitung des Abschnitts, die es lohnt, betont/hervor gehoben zu werden: Das Vollbeschäftigungsziel der Wirtschaftspolitik besteht auch deshalb, weil eine hohe Arbeitslosigkeit vor allem die öffentlichen Haushalte treffen würde. Zum einen würden die Einnahmen in Form direkter und indirekter Steuern sowie der Sozialabgaben der Erwerbstätigen wegfallen und zum anderen müssten zur Existenzsicherung der Erwerbslosen die Staatsausgaben erhöht werden. Neben dem öffentlichen Haushalt würde damit auch das lohnzentrierte Sozialversicherungssystem in Deutschland unter einer hohen Arbeitslosigkeit leiden.

Was als Ziel daherkommt, ist eigentlich eine klare Sache, praktisch ein Muss. Gehen wir von 10 Millionen Menschen aus, die für eine über ein „Arbeitsamt“ verteilte Tätigkeit zusätzlich gewonnen werden können, steigt das Bruttosozialprodukt um deren Leistung und gleichzeitig wird der Sozialsstaat entlastet. Öffentliche Haushalte erstarken. Hierzu ist nur nötig, aus den vielen liegen bleibenden Aufgaben bezahlte Arbeit als Aufträge für den ersten Arbeitsmarkt zu schaffen. Das würde auch helfen, das Menschenrecht auf Arbeit zu verwirklichen .

Gesetzliche Zielrichtungen

26.4.12, Seite 15 Vollbeschäftigung: ein zeit- und gesellschaftskontingenter Begriff, Frage 2 “Theoretische Grundlagen zur Erklärung von Beschäftigungsentwicklungen“
Dieser Abschnitt führt an die neoklassische Wirtschaftswissenschaft mit angebotstheoretischen Erklärungen heran und an den Keynianismus mit nachfragetheoretischen Erklärungen. Beides wird für gesetzliche Zielrichtungen verwendet.

Beide gesetzlichen Zielsetzungen deuten darauf hin, dass jenseits der theoretischen Dichotomie Beschäftigung immer ein Kuppelprodukt aus klassischen und keynesianischen beziehungsweise angebots- und nachfragetheoretischen Maßnahmen ist.

Bevor Arbeitslosigkeit bekämpft und somit Vollbeschäftigung angestrebt werden kann, muss Klarheit über die Ursachen dieser Arbeitslosigkeit herrschen, denn eine angebotsorientierte Arbeitslosigkeit mit nachfrageorientierten Maßnahmen oder umgekehrt zu bekämpfen, würde wenig bringen und womöglich zu noch größerem volkswirtschaftlichen Schaden führen.

Die Welt, wie sie ist, wird mit Modellen abgebildet und regieren kann bedeuten, am Modell herumzudoktern und damit die Welt zu gestalten. Regieren kann aber auch bedeuten, das Neue zu erobern, und sich einer anderen Welt zu nähern. Die alte, bisherige Welt ist diejenige, in der der Mensch der Wirtschaft dient. Die neue ist hier schon öfter gefordert und z.B. im Kompendium der marktwirtschaftlich-sozialökologischen Ökonomik erläutert. (Ein historisches Beispiel für etwas Neues ist das Das Wörgler Schwundgeld (Freigeld).)

Was ist Vollbeschäftigung

25.4.12, Seite 13 Vollbeschäftigung: ein zeit- und gesellschaftskontingenter Begriff, Frage 1 “Was ist Vollbeschäftigung?”
… So ist in Paragraf 1 des mittlerweile vergessenen, aber immer noch gültigen Gesetzes zur Förderung der Stabilität und des Wachstums der Wirtschaft aus dem Jahre 1967 von einem hohen Beschäftigungsgrad die Rede. Mit „hoher Beschäftigungsgrad“ kann, muss aber nicht Vollbeschäftigung gemeint sein.

Für den Sachverständigenrat war 1967 eine Arbeitslosenquote von 0,8% als Vollbeschäftigung zu verstehen und heute spricht man bei einer Arbeitslosenquote von 5% von Vollbeschäftigung.

So wird das allgemein gesehen und in einem deregulierten Markt auch als Schicksal hingenommen. Vorhersehbar und inzwischen absehbar entsteht daraus Massenelend und soziale Unruhen. Um zu einem gesellschaftlichen Frieden und einem nur wenig belasteten Sozialstaat zu kommen, braucht es eine Vollbeschäftigung, wie sie dieser Blog definiert: Es gibt einen Überhang von auskömmlichen Arbeitsplätzen.

Über die Autoren

24.4.12 Bevor der dritte Aufsatz betrachtet werden soll, ein kurzes Wort zu den Autoren. Der Bundeszentrale für politische Bildung gelingt es ja, ausgewiesene Fachleute für die Beiträge zu gewinnen. Der ditte Beitrag kommt von Prof. Dr. Aysel Yollu-Tok, die beim Mitautor Prof. Dr. Werner Sesselmeier promovierte. Der wiederum promovierte bei Prof. Dr. Dr. h. c. Bert Rürup. Ein Netz, wo die drei als Beirat und externe Mitarbeiterin zu finden sind, ist das Institut WifOR. Die beiden Autoren haben aber eine weitere Gemeinsamkeit. Sie arbeiten in der Gesellschaft für sozialen Fortschritt. Werner Sesselmeier ist der Herausgeber der zugehörigen Zeitschrift und Frau Yollu-Tok ist redaktioneller Leiter. Das Besondere: Die Gesellschaft für Sozialen Fortschritt e.V. ist über 100 Jahre alt. Sie steht für den Anspruch, auf hohem Niveau wissenschaftliche Analysen zur ganzen Breite der Sozialpolitik, einschließlich der Schnittmengen zur Wirtschaftspolitik (Arbeitsmarkt, Einkommenspolitik etc.) vor dem Hintergrund eines breiten gesellschaftspolitischen Erkenntnisinteresses in die öffentliche Diskussion zu tragen. Auch die europäische Integration ist bei uns ein ständiges Thema.. Mal sehen, ob es da etwas zu kommentieren gibt. Beim vorigen Autor Hans-Jürgen Urban wäre das ständige Ja, Ja und wieder Ja bestimmt langweilig gewesen und ist ja auch weggefallen. Frage, wie hat Hans-Jürgen Urban gefallen?